Eine Hunde-Weihnachtsgeschichte

Mein Name ist Dexter, ich bin ein 8jähriger Doggen-Riesenschnauzer-Mischling.

Bevor ich ins Tierheim kam, war ich ein glücklicher Hund. Die ersten 12 Wochen nach meiner Geburt war ich beim Züchter, wo ich auch das Licht der Welt erblickt habe. Dann kam mein erstes Herrchen, Stefan, und hat mich mit nach Hause genommen. Ich bekam eine super Ausbildung, hatte viele Freunde und das abendliche Kuschelritual auf dem Sofa war ein echtes Highlight für mich. Er ist unerwartet gestorben, als er Mitte 30 war.

Es hat mir damals das Herz gebrochen. Das Leben auf 5 Quadratmetern im Zwinger des Tierheimes war herzlos und langweilig, so war ich es von Stefan nie gewohnt. Mir ging der Lebensmut verloren und jedes Mal, wenn jemand am Zwinger vorbeiging, ohne mich mitzunehmen, ging etwas von meiner Hoffnung auf ein besseres Leben verloren. Ich vermisste Stefan und gab mich langsam aber sicher auf. Umso größer die Freunde, als mich kurz vor Weihnachten ein Pärchen aussuchte, um mich in ihrer Familie aufzunehmen. Ich war extrem aufgeregt, als ich ins Auto gesprungen bin und wir losgefahren sind.

Angekommen, habe ich mich erst einmal in der Wohnung umgesehen. In allen Ecken habe ich geschnüffelt und das Sofa habe ich in positiver Erinnerung begutachtet, bis Herrchen mich davon runter scheuchte. Ich hatte mein eigenes Körbchen, eine eigene Futterstelle und Spielsachen. Einen Lieblingsplatz habe ich auch schnell gefunden. In der Küche unter der Eckbank, nahe des Ofens. In der Küche war oft die ganze Familie zusammen, und durch den Ofen war es immer schön warm. Immerhin tut einem alten Hund wie mir bei der Kälte und der Nässe draußen die Wärme richtig gut, und ich konnte mich nach einem schönen Spaziergang wieder aufwärmen.

Die Familie bestand neben Herrchen und Frauchen aus dem 8jährigen Sohn Max, und seiner 3jährigen Schwester Janine. Andere Tiere waren auch da, noch ein anderer Hund, ein Spitz mit Namen Amy, die angenehm roch und mich lieb aufnahm. Außerdem war da noch ein Graupapagei namens Cora. Der Papagei ärgerte mich gerne, indem er mir auf den Rücken flog und ich mich erschreckte und mich mit seinem harten Schnabel manchmal in mein Ohr zwickte.

Insgesamt war mein neues zu Hause sehr schön, aber vielleicht ein wenig zu klein für einen großen Hund wie mich. Aber besonders Max, mein neuer Bezugspartner in der Familie, nahm mich oft mit auf einen Spaziergang, Radtouren oder auf den Trainingsplatz.

Meine Freude war riesengroß, wenn Max wieder von der Schule kam. Ich habe ihn vor Freude fast umgeschmissen und habe ihm mit meiner Zunge ein Küsschen gegeben. Einmal habe ich vor Freude mit meinem Schwanz eine Vase umgeschmissen, worauf Frauchen schlimm mit mir geschimpft hat.

Dann war Max eine Woche auf Klassenfahrt. Ich habe ihn sehr vermisst. Leider ist Frauchen nicht so oft mit mir Gassi gegangen. Herrchen war oft bei der Arbeit und Janine war noch zu klein. Einmal hatte ich an einem warmen Tag viel getrunken und musste dringend. Ich habe mein Bedürfnis auch mit Nachdruck angezeigt, doch leider hat Frauchen genervt reagiert und mich immer in mein Körbchen geschickt.

Da ich nicht mehr der Jüngste bin, konnte ich auch mein Pipi nicht mehr so gut halten. Manchmal hatte ich ein Stechen im Rücken, was unangenehmer wurde, wenn ich musste. Manchmal tat es auch beim pinkeln weh. Dennoch waren die Schmerzen, wenn ich nicht gepinkelt habe, deutlich stärker. Dieses Mal war es so heftig, dass ich meine Notdurft in der Wohnung gemacht habe. Vor Schmerzen habe ich nicht das Beinchen gehoben, sondern mich hingehockt. Frauchen hat es gemerkt und deshalb doll mit mir geschimpft. Doch das Schimpfen war nicht das Schlimme. Am Schlimmsten fand ich, dass sie mich mit meiner Schnauze in den Urin hineindrückte. Dadurch habe ich meinen eigenen Urin durch die Nase aufgesogen. Anschließend schlug sie mich mehrmals mit dem Schuh auf meine schmerzende Stelle am Rücken, wo sie genau die schmerzhafteste Stelle traf und ich mich jaulend in meine Lieblingsecke verkroch. Ich wurde vorher nie geschlagen, habe immer nur gute Erfahrungen mit Menschen gemacht.

Als Herrchen von der Arbeit nach Hause kam, hat Frauchen gleich von meinem Missgeschick erzählt und die Beiden haben lebhaft diskutiert, was sie jetzt machen wollen. Ich hatte echt Angst bekommen, dass ich in der von mir geliebten Familie nicht mehr willkommen bin. Immerhin waren beide ziemlich sauer auf mich.

Der Frühling kam, neue Gerüche lagen in der Luft. Die Sonne schien wieder öfter, doch mein Lieblingsplatz in der Nähe des Ofens blieb, denn die Wärme genoss ich immer noch sehr, auch wenn es draußen endlich wieder wärmer wurde.

Während Max wieder auf Klassenfahrt war, beschlossen Herrchen und Frauchen, mit mir spontan an die See zu fahren. Was habe ich mich gefreut, gerade nachdem die Beiden in letzter Zeit öfter mein Futter vergessen haben und ich mir auch ein wenig vernachlässigt vorkam. Aber damit machen die Beiden alles wieder wett, es wird alles gut.

Während der Fahrt haben wir kurz angehalten auf einem Autobahnrastplatz, um eine Pinkelpause zu machen. Wir haben ein Picknick gemacht, zur Sicherheit wurde ich angebunden. Dann waren wir fertig, und Herrchen hat die Sachen wieder ins Auto gebracht, Frauchen ging auf Toilette.

Doch was ist das? Die Beiden fahren weg. Haaaallllloooo, ihr habt mich vergessen. Ich wurde panisch. Wo fahrt ihr hin? Ihr könnt mich doch nicht hierlassen. Sicher haben sie mich vergessen, ganz bestimmt kommen sie gleich zurück.

Sie kommen nicht zurück, oder doch? Also heißt das für mich, da zu bleiben, wo ich zuletzt war. Doch es kommt keiner. Nur Fremde, die mich wegholen wollen. Wie viel Zeit ist vergangen? Nein, lasst mich hier, ich muss warten. Wie sollen Herrchen und Frauchen mich finden, wenn ich weg bin. Und was passiert mit mir, wenn ihr mich mitnehmt? Werde ich wieder leiden müssen im Tierheim? Das verkrafte ich nicht. Niemals.

Hilfe!!! Wo seid ihr?

Was ich mit dieser Geschichte sagen will:

Solche Dinge ereignen sich leider immer wieder. Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum. Insbesondere Hunde sind extrem loyal und menschenbezogen. Wir übernehmen eine lebenslange Aufgabe und Verantwortung für das Tier, der wir uns immer bewusst sein sollten. Und eine artgerechte Haltung sollte immer gewährleistet sein. Die Überlegung, ob wir dem Tier gerecht werden, sollte vor dem Kauf stattfinden. Der Dank dafür ist unendliche Liebe und Lebensfreude.

Ich danke der freundlichen Unterstützung einer ehemaligen Mitarbeiterin des Tierschutzes bei der Umsetzung.

„„Solange der Mensch denkt, dass Tiere nicht fühlen können, müssen die Tiere fühlen, dass der Mensch nicht denken kann.““

2 Gedanken zu “Eine Hunde-Weihnachtsgeschichte

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