4 Personen/Dinge, die mich beeinflusst haben

  • Helmut Schmidt, besonders in der RAF-Krise. Natürlich habe ich das nicht bewusst wahr genommen. Aber was mich im Nachhinein stark beeinflusst hat ist seine Kompromisslosigkeit. In der Verfilmung der Mogadischu-Krise, wo die GSG 9 gegründet wurde, hatte er nur im Hinterkopf „Mit Terroristen verhandele ich nicht.“ Natürlich hätte der Einsatz schief gehen können. Für den Fall hatte er bereits seinen Rücktritt formuliert, geschrieben und in der Schublade. Dennoch, obwohl er großes Risiko gegangen ist, hat er ein Zeichen gesetzt. Nämlich, dass der Staat nicht erpressbar ist. Damit hat er wohl auch vielen Anderen das Leben gerettet, denn wäre Mogadischu aus Sicht der Terroristen erfolgreich gewesen, hätte es wohl noch viele Vorfälle der Art gegeben. Mit seinem Tod hat Deutschland einen großen Mann verloren, egal zu welcher Partei man nun tendiert.
  • Helmut Kohl. Sicher, ich war politisch nicht nicht immer seiner Meinung. Aber was ich an dem Mann bewundere, ist seine Zielstrebigkeit, mit der er nach der Macht gegriffen hat, dabei dem anderen starken Helmut (Schmidt) den Ast abgesägt hat. Sicher in unserer Ellenbogengesellschaft nicht unbedingt nachahmenswert. Es waren damals andere Zeiten. Aber von den heutigen Politikern würde ich mir mehr von den Helmuts damaliger Zeiten wünschen, als nur die Fähigkeit, das Fähnchen möglichst schnell in den gerade wehenden Wind zu setzen, und ihr Ding, von dem sie überzeugt sind, durchzuziehen.
  • „Lebbe geht weiter“ – Dragoslav Stepanovic. Er hat, bei aller Ernsthaftigkeit, das große Ganze im Leben nicht außer Augen verloren. Klar, ein sportlicher Misserfolg tut weh‘. Ich als FC Bayern-Fußballfan erinnere mich an 1999 gegen Manchester United oder 2012 gegen FC Chelsea. Aber es ist „nur“ Sport. Nicht das Leben.
  • Überhaupt 1999 Manchester United. Die Presse überschlug sich mit Superlativen. „Die Mutter aller Niederlagen“ war einer davon. Ich weiß noch, damals, als ich 25 war. Bayern war überlegen, aber das potentiell entscheidende 2:0 wollte nicht fallen. Das Tor von United war wie zugenagelt, Pfosten und Latte hatten die Bayern getroffen. Und immer im Hinterkopf, das United ein gefährlicher Gegner ist. Die Legende sagt, dass der damalige Uefa-Präsident Lennart Johannson den Bayern-Offiziellen schon zum Sieg gratuliert hat. Da stand es in der 90. Minute 1:0 für Bayern. Im Aufzug bekam er nicht mit, was sich dann ereignete. Nachspielzeit. Ecke David Beckham (damals noch verflucht jung). Scharf vors Tor gezogen. Verwirrung. Rumgestochere. Der Ball fällt Teddy Sheringham, der eingewechselt worden war, vor die Füße. 1:1. Aus Wut und Frust habe ich die Toilettentür mit dem Fuss getreten und ohrenbetäubend geschrien. Doch damit nicht genug. Eine gute Minute wieder Ecke. Wieder Beckham von der gleichen Seite. Wieder scharf reingezogen. Wieder Gestochere und Verwirrung. Der Ball fällt dem eingewechselten Ole-Gunnar Solskjaer vor die Füße. 2:1. In nicht einmal 2 Minuten. Als Johannson unten ankam, den Sieger Bayern zu gratulieren, war das Spiel zu Ende. Nur, dass da United war, nicht Bayern. Und ich war wie gelähmt. Unfähig jeglicher weiterer Gefühle. Am nächsten Tag zur Arbeit trug ich nur schwarze Klamotten, so weh tat es damals.
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