Als Erwachsener verlernt

In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht. Kinder müssen auf dem Weg, Erwachsene zu werden, so viel lernen. Sei es etwas elementares wie Rechnungen bezahlen. Sobald die Schulzeit vorbei ist, ist auch der Welpenschutz irgendwo vorbei. Der „Ernst des Lebens“ beginnt. Wobei viele ja schon sagen, dieser beginnt mit der Schulzeit, aber ich habe dazu eine andere Meinung.

Wie auch immer: Kinder haben Eigenschaften, die wir verlernt haben. Auch die Interaktionen mit anderen Menschen werden mit mehr Erfahrung und Wissen nicht leichter, sondern schwerer. Unsere Erfahrung mit anderen Menschen und die Wechselwirkung auf uns selber macht uns die Entscheidung, wie wir etwas angehen, verdammt schwer. Es gibt den Choleriker, den Verständnisvollen, die Diva, … Und jeder reagiert anders.

All diese Unwägbarkeiten lassen es uns schwer werden, zu handeln. Wohl dem, der sich entscheidet und sich dabei treu bleibt. Konsequenzen Konsequenzen sein lässt, dabei er selber bleibt und dabei riskiert, einen möglichen Verlust einzugehen.

Werfen wir einen Blick auf das, was Kinder Erwachsenen voraus haben:

  • Unbeschwertheit

„Ich dachte, Du spielst nicht mehr mit …?“ „Das war doch gestern.“ Genau das können wir von unseren Kindern lernen, im Hier und Jetzt zu leben und unbeschwert zu sein. Denn was nützt es uns, in einem schönen Moment an unangenehme, vergangene oder zukünftige Ereignisse zu denken? Wenn dich solche Gedanken belasten, dann atme tief durch und wiederhole den Satz: „So blöd es auch ist, ich kann es nicht ändern und werde mir meine Laune nicht davon verderben lassen.“

  • Im Jetzt leben, den Moment genießen

Dieses Thema ist eng verknüpft mit dem ersten Thema. Kinder genießen den Moment, leben im Jetzt, ohne groß nachzudenken, was sein wird oder was war. Viel an der kindlichen Unbeschwertheit ist uns Erwachsenen verloren gegangen. Was ja auch nachvollziehbar ist. Als Erwachsener lässt es sich nicht mehr so einfach völlig unbeschwert sein: berufliche Anforderungen, Verpflichtungen, Verantwortung für die Familie etc.

Erwachsene grübeln gerne. Wir bereuen unsere Vergangenheit, fürchten unsere Zukunft und verschwenden viele Gedanken für Dinge, die wir nicht mehr ändern können. Wie viel Zeit verwenden Kinder wohl für solche Gedanken? Gar keine! Kinder leben im Moment. Natürlich fiebern sie auch mal großen Ereignissen entgegen, aber der Vergangenheit hängen sie kaum nach.

Achtsamkeit ist zurzeit das große Thema. Um zu lernen, im Hier und Jetzt zu leben und den Alltag zu entschleunigen, besuchen wir Workshops und teure Seminare. Dabei ist es eine Kunst, die wir als Kinder perfekt beherrscht haben! Stundenlang an einem Legohaus basteln, Bilder malen, die Schwerelosigkeit des Wassers spüren – Kinder können sich in die Dinge, die sie tun, vertiefen. Dabei ist es ihnen egal, ob dabei etwas Sinnvolles herauskommt oder ob etwas anderes liegen bleibt. Und sie brauchen nicht mal einen Meditationskurs dafür. Also, versucht es auch mal: Vergesst die To-Do-Liste und tut wenigstens einmal am Tag ganz bewusst etwas, worauf ihr Lust habt. Am besten mit den Kindern zusammen!

  • Neugierde

Kinder sind neugierig, auch auf Dinge, die für uns „Große“ selbstverständlich erscheinen. Kinder probieren aus, testen aus, hinterfragen Sachen, die uns selbstverständlich erscheinen. Beispiele gefällig?

„Warum ist der Himmel blau?“ „Warum ist Wasser nass?“

Was habt ihr gestern auf dem Weg zur Arbeit gesehen? (Mal abgesehen von dem Idioten, der euch die Vorfahrt genommen hat.) Ein schönes Blatt, das auf dem Weg lag? Einen Lichtstrahl, der sich in einer Pfütze spiegelte? Einen merkwürdigen Käfer mit langen Fühlern? Nein, vermutlich nicht. Wenn wir ehrlich sind, bewegen wir uns meistens total blind durch die Gegend. Wir kommen zwar da an, wo wir wollen, aber verpassen dabei die vielen interessanten und schönen Dinge, die es in unserer Umwelt gibt. Kinder sehen sie, denn für sie sind sie neu. Aber was spricht denn dagegen, sie mit ihnen wieder neu zu entdecken?

  • Die eigenen Grenzen austesten

Kinder lassen sich ungern erzählen, was sie nicht können oder dürfen. Es ist schwer, sie davon abzuhalten, einen wackligen Baum zu erklimmen oder von einer hohen Mauer zu springen. Sie haben wenig Angst vor Herausforderungen, probieren alles einfach aus und lernen ihre eigenen Grenzen kennen – auch wenn das manchmal weh tut.

Was hast Du zu verlieren? Klar kannst Du scheitern, aber wenigstens kannst Du dir niemals vorhalten, es nicht mindestens versucht zu haben.

  • Mit der Fantasie spielen

Wie oft werden im Beruf und im Alltag kreative Lösungen von einem gefordert? Hierfür kannst Du einiges von Ihren Kindern lernen, denn nichts ist für sie natürlicher, als das spielen. Die Kleinen fantasieren stundenlang und erschaffen ganze Welten in ihrem Kopf. Wäre es nicht toll, diese Fähigkeit auch noch als Erwachsener zu besitzen? Das geht ganz einfach – Spiele! Denn dabei wird die Fantasie ordentlich angekurbelt. Das hilft, abstrakt zu denken und neue Lösungswege zu entdecken.

  • Hilfe suchen und annehmen, wenn man sie braucht

Kinder laufen schnell zu Eltern, Lehrern oder Verwandten, wenn ihnen etwas nicht gelingt. Sie fordern Hilfe ein und bekommen sie meist auch. Je älter wir werden, desto größer wird unser Anspruch, alles selber zu machen. Aber wer erlegt uns diese Last eigentlich auf? Warum fällt es uns so schwer, zuzugeben, wenn wir etwas nicht allein schaffen?

  • Abschalten und einfach nur Spaß haben

Suche dir eine Tätigkeit, die dir Spaß macht. Sei es Sport, Handarbeit oder ein Buch – Hauptsache Du bist glücklich. Versuche, abzuschalten und sich nur auf das Hobby zu konzentrieren. Das erfordert anfangs etwas Übung, aber in der Hektik des Alltags ist es wichtig, loszulassen und manchmal nur für den Moment zu leben.

  • Fremden mit Offenheit begegnen

Wir haben viele Vorurteile, ob wir das zugeben wollen oder nicht. Diese voreiligen Schlüsse basieren auf Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben und beeinflussen uns ganz unterbewusst. Meist sind sie aber nur Steine, die uns im Weg liegen. Bevor wir diese Vorurteile auf unseren Nachwuchs übertragen, begegnen die Kleinen neuen Menschen komplett unvoreingenommen und interessiert. Besonders, wenn die fremde Person äußerlich ganz anders aussieht als wir. Wenn wir von unseren Kindern lernen, offen auf andere zuzugehen, eröffnet uns das wohlmöglich viele Chancen – neue Freunde, berufliche Kontakte, wer weiß? Wenn Du das nächste Mal beim Sportkurs, auf dem Spielplatz oder beim Einkaufen in ein Gespräch verwickelt werden, seie offen und versuche, die neue Person kennenzulernen. Möglicherweise ergibt sich ein wertvoller Kontakt oder einfach eine neue, erfrischende Perspektive.

  • Interesse an digitalen Medien und neuen Technologien

Es ist verblüffend, dass selbst Kleinkinder in Sekundenschnelle unsere ausgefuchste Bildschirmsperre überwinden. Während Mama und Papa noch Gebrauchsanweisungen studieren, nutzen Kinder Smartphones, Tablets etc. ganz selbstverständlich. Diese Neugier auf Neues und die schnelle Auffassungsgabe ist beeindruckend.

Vielleicht können wir uns diese natürliche Affinität zur neuen Technik nicht auf die Schnelle von unseren Kindern abschauen, aber wir können von ihnen lernen – und zwar wortwörtlich. Lassen Sie sich alles Neue haarklein von Ihrem Nachwuchs erklären. Seie interessiert und verteufel die neuen Technologien nicht. Das kommt beiden Seiten zu Gute. Schließlich platzen die Kleinen vor Stolz, wenn sie ihren Eltern etwas beibringen können.

Noch ein Gedanke in eigener Sache. Ich lese gerade ein Buch „Durch Begegnungen wachsen“. 

Es ist ein interessantes Buch, was an vielen Stellen dazu führt, dass man reflektiert, über sich selber nachdenkt. Ich denke, auch wenn hier in meinem Blog die „Merksätze“ fehlen, könnte es ein wenig durch den Stil beeinflusst sein. Jedenfalls habe ich mir beim Schreiben auch viele Gedanken über mich selbst und Kinder allgemein gemacht, so dass ich sie an manchen Stellen durchaus mit anderen Augen sehe.

 

3 Dinge, die ich bis heute bereue und wie Du sie vermeidest

1. Das ich nicht eher erwachsen wurde.

Klar habe ich mich zeitig von zu Hause gelöst (vielleicht etwas spät, aber im Rahmen). Jedoch habe ich es zugelassen, dass meine Faulheit gewonnen hat und ich mir von der Mutter, die nicht loslassen konnte, wieder habe vereinnahmen lassen. Im Prinzip wurde dadurch alles rückgängig gemacht. Ich war mit 20 weiter als mit 30 Lebensjahren. Erst war es das Wäsche waschen, dann Hilfe beim einkaufen, und so weiter. Ich sehe den Sohn meiner Freundin. Er ist, hart gesagt, mit 14 weiter und selbständiger als ich mit 30. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Seine Mutter, meine Freundin, erzieht ihn zu einem Menschen, der sein Leben selbständig meistern kann. Klar macht er in dem Alter manchen Blödsinn, aber wer hat das nicht? Übrigens: Ich werfe es meiner Mutter nicht alleine vor. Auch ich trage meine Schuld daran, denn ich habe es zugelassen.

Mein Rat an euch:

Für die Kinder: Lasst euch eure Selbständigkeit nicht nehmen. Auch wenn es mal unbequem ist.

Für die Eltern: Gewöhnt euch daran, dass Kinder eigenständige Menschen werden, aber auf dem Weg dahin Hilfe brauchen. Wenn sie soweit sind: Lasst los. Sie gehen selten verloren.

Für Betroffene: Kommt in’s Reine damit. So bitter es ist: Verlorene Zeit kommt nicht wieder zurück. Ihr könnt nur verhindern, noch mehr Zeit zu opfern.

 

2. Das ich zuviel Zeit verschwendet habe.

Zum einen spielt Punkt 1 darein. Aber nicht nur. Es sind auch „falsche Freunde“ und Frauen, denen man hinterhertrauert, weil man an der so genannten „Oneitis“ leidet. Da kann ich einige Lieder von singen. Bei „falschen Freunden“ ist es nicht leicht, sie zu erkennen, weil man echte Freunde oft erst in Notlagen erkennt. Bei der „Oneitis“ ist es leichter. Du bist einer Frau verfallen, die „die Eine“ ist? Wo du, nur um ihr nahe zu sein, den besten Freund spielst, ihr ihren Kummer und die Sorgen anhörst? Vielleicht verpasst du gerade eine tolle Frau, weil du nicht offen für was anderes bist. Denn für dich gibt es ja nur „die Eine“.

Mein Rat:

Ich litt Jahrelang selbst an der „Oneitis“. Bis ich nach einem Buch, das ich las, das Problem erkannte. Wenn es nicht zu einer Beziehung kommt, wird es das höchstwahrscheinlich auch nicht. Je mehr du versuchst, ihr nahe zu sein und den guten Freund spielst, umso mehr wird sie dich höchstwahrscheinlich auch nur als so einen wahrnehmen: Einen guten Freund. Aber wirklich enge Freundschaften kann es zwischen Männern und Frauen nicht geben. Schon gar nicht, wenn sich einer mehr erhofft. Nimmt sie dich nicht als Mann war, wird sie es höchstwahrscheinlich auch nie tun. Für Frauen gilt natürlich genau das gleiche, die an der „Oneitis“ leiden.

 

3. Ich ließ mein Selbstvertrauen leiden.

Das ist Fakt. Die mangelnde Abnabelung von zu Hause, die „Oneitis“ haben mein Selbstvertrauen stark schwinden lassen. Ich arbeite derzeit hart daran, es wieder aufzubauen. Die einzige Art von Selbstvertrauen habe ich über den Job bezogen, denn da war ich tough und gut ausgebildet. Ich wußte was ich tue und wer was zu tun hat. Privat kann ich nicht mal einen Nagel in die Wand bringen, krass gesagt.

Mein Rat:

Achtet auf euch. Wenn ihr merkt, dass euch etwas nicht gut tut, egal was es ist: Trennt euch davon. Bevor es euch runterzieht. Denn sich von etwas oder jemandem zu trennen ist zwar schmerzhaft, aber doch leichter, als später „die Scherben aufzulesen“

 

Michael Jackson oder: Warum die Kindheit so wichtig ist

Die Kindheit prägt uns. Und sie ist enorm wichtig. Erwachsene, die keine (echte) Kindheit hatten, holen sie nach. Immer! Sei es durch kindliches Verhalten oder das spielen mit der Eisenbahn des Sohnes. Sie prägt uns auf allen Ebenen. Sei es auf den ersten, flüchtigen Blick auch noch so nebensächlich.

Da ist der Vater, dessen Beruf ihn glücklich macht und den gleichen Beruf wird später der Sohn ergreifen. Da ist auch die umgekehrte Prägung, wenn die Eltern Kleptomanen sind und das Kind Polizist wird. Von dem Verhalten der Eltern untereinander ist u. A. die soziale Prägung abhängig.

Meine eigene Kindheit war geprägt von Schüchternheit und Außenseitertum. Meine Farbsehschwäche war ein gefundenes Fressen für andere Kinder, mich fertig zu machen. Ständig wurde ich gefragt „Was ist das für eine Farbe?“ Und wenn ich antwortete, haben alle gelacht. Ich war ein Opfer und aufgrund meiner damaligen Unfähigkeit, mich zu wehren, eine leichte Zielscheibe des Spottes. Ich habe es sogar erlebt, wie mein damaliger bester Freund sich auf die Seite der anderen Kinder schlug. Vermutlich war es für ihn einfacher, ein Täter zu sein, als sich immer und überall dem Spott zu erwehren.

Irgendwann habe ich diese Scheu abgelegt und mich mit Typen angelegt, mit denen sich keiner anlegen wollte. Die Schläger auf der Schule. Ok, die Raufereien (eh nicht vergleichbar mit der heutigen Zeit) habe ich zwar verloren, aber Respekt gewonnen. Ich war kein leichtes Opfer mehr und wurde in Ruhe gelassen. Außenseiter aber blieb ich trotzdem.

Vor einiger Zeit habe ich mit einem Freund ein Kind gedisst. War nicht bösartig, aber das schaukelte sich hoch, das Kind war getroffen und verletzt. Ich fragte mich: „Wann bist du vom Opfer zum Täter geworden? Du weißt es am besten, wie er sich jetzt fühlt!“ Das Kind und ich haben uns ausgesprochen und den Vorfall aus der Welt geschafft.

Auch wenn manche Menschen Michael Jackson als Kinderschänder sehen: In meinen Augen ist er es nicht.

Er hatte keine richtige Kindheit, denn: Vermutlich war er kein Kind, dass mit der Schaufel im Sandkasten gespielt hat. Er wurde von klein auf auf ein Bühnenleben getrimmt. Stichwort: Jackson 5. Sein Vater und die älteren Brüder hatten keine Skrupel, Groupies auf’s gemeinsame Zimmer zu holen und vor den Augen des deutlich minderjährigen Kindes Sex zu haben. Mit diesen Vorfällen war seine Kindheit vorbei.

Als Erwachsener wollte er sich diese zurückholen. Mit dem Bau der Neverlandranch. Für manche Eltern war es verständlicherweise suspekt, dass ein erwachsener Mann mit Kindern abhängt. Für mich aber nachvollziehbar.

Die (vermutliche) Scheinehe mit Lisa Marie Presley sollte eine Win-Win-Situation sein. Er wollte als Erwachsener wahrgenommen werden und sie aus dem Schatten ihres Vaters treten. Geholfen hat es keinem von beiden. Irgendwie wurde es eine Lose-Lose-Situation. Also flüchtete Michael sich wieder in seine nachgeholte Kindheit.

Das er auf die erste Anklage wegen Kindesmißhandlung mit einer Zahlung reagierte, ist für mich kein Beweis seiner Schuld, sondern seiner Unschuld. Er wollte zahlen, bevor er mehr Schaden nimmt. Irgendwann ist man nur noch mit Schadensbegrenzung beschäftigt.

Auf die Art das schnelle Geld zu verdienen, kamen dann auch andere, die sagten „Mein Kind wurde misshandelt“. Den Prozess zu der weiteren Anklage hatte er dann ausgetragen und wurde freigesprochen. Aber der Schaden war auf andere Art und Weise enorm. Die Kindheit wurde ihm ein zweites Mal genommen. Man konnte ihm beim zerfallen zusehen, die Musik, in die er sich flüchtete, „seine“ Bühne, war kein Ersatz.

R.I.P. Michael. In meinen Augen warst Du der ärmste und einsamste Mensch unter der Sonne. Mögest Du im Himmel mit Bauklötzen und Dreirädern spielen, wie es dir auf Erden vermutlich nicht vergönnt war. Ohne schief angesehen zu werden.

Eine Situation, die Familien kennen könnten

Wer kennt das Problem nicht? Irgendwie sind im Haushalt kein Paar Socken zu finden. Ich befürchte, die Waschmaschine bunkert sie, weil sie die Weltherrschaft plant. Wäschetrockner sind übrigens an der geheimen Verschwörung beteiligt.

Hat es tatsächlich ein zusammengehöriges Paar den Waschgang, den Trockner und das Sammeln im Wäschekorb ohne Trennung überstanden, steht noch der tägliche Kampf um die frischen Socken zwischen mir und dem Kind bevor.

Habe ich als Single noch jeden Tag gewechselt, muss ich sie jetzt ein paar Tage horten, denn: Hier sind Socken wertvoller als Gold. Das bedeutet im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit, wenn ich ein Paar zum waschen gebe, dass ich dann ein sauberes Paar zurück bekomme, sind gering.

Habe ich ein zusammengehöriges Paar gefunden, bunkere ich sie gerne auf der Heizung. In der kalten Jahreszeit liebe ich es, in warme Socken zu schlüpfen. Leider weiß der Junge von meiner geheimen Leidenschaft und wenn er morgens aufsteht, sucht er erstmal auf der Heizung. Das führte schon einmal dazu, dass, als ich zur Arbeit wollte, die Socken weg waren und ich wieder anfangen zu suchen musste. Es ist übrigens faszinierend: Wir scheinen gefühlt 100 einzelne Socken zu haben, die aber nicht zusammen passen.

Also habe ich meine Taktik geändert. Ich gebe ein Paar Socken erst in die Waschmaschine, nachdem ich mir ein neues Paar gesichert habe. Mein Versteck habe ich geändert, muss dadurch aber auf meine vorgewärmten Socken verzichten. Aber ich habe wenigstens ein sauberes Paar und keine der 100 einzelnen Socken.

Patchworkfamilie vs Pubertät

Ich beneide Eltern um das Gefühl, die Schwangerschaft vom ersten bis zum letzten Tag zu erleben. Daran teilzuhaben und den eigenen Neugeborenen in den Händen zu halten, das blieb mir leider verwehrt.

Meine Freundin und ich können keine Kinder bekommen. Es geht aus organischen Gründen nicht. Aber ich bin kein Mensch, der das „Warum“ hinterfragt. Es gibt auf „Warum-Fragen“ auch keine Antworten. Es ist so!

Mein bester Freund Robert und seine Frau Nicole erwarten Zwillinge. Ich gönne ihnen von ganzen Herzen ihr Glück und schaue doch etwas wehmütig in das gestaltete Kinderzimmer, dass nur noch auf die Niederkunft der Zwillinge wartet.

Kindererziehung ist kinderleicht? Sicher nicht. Zugegeben, ich kann da nicht umfassend mitreden, denn ich habe die Geburt, die frühen Jahre der Kinder verpasst. Mit der Beziehung zu meiner jetzigen Freundin bin ich direkt zu einem Teenager gekommen, der noch zu Hause wohnt und gerade in die Pubertät kommt. Dazu kommt noch eine Tochter, die zwar schon auf eigenen Füßen steht, aber noch in der Pubertät ist.

Aber was bedeutet Kindererziehung heutzutage? Es gibt hunderte, tausende an Erziehungsratgebern, die optimale Ernährung, Frühförderung. Jeder, auch kinderlose, reden mit, geben mehr oder weniger gute Ratschläge. Manchmal denke ich, ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung. Ehrlich gesagt, mich würde dieses Überangebot an Ratgebern, ob man sie haben will oder nicht, eher lähmen als beflügeln.

Ich will nicht sagen, dass früher alles besser war. Aber wir sind auch alle groß geworden. Ohne Frühförderung, wo einem erzählt wird, dass jeder Bengel, der das Klavier zerlegt, der neue Mozart ist. Aus den meißten von uns sind vernünftige Menschen geworden, die sich nun selbst der Aufgabe gegenübersehen, ein Kind oder mehrere aufzuziehen. Und das ist eine gewaltige Aufgabe!

Über viele Jahre war ich Single. Mehr oder weniger von Heute auf Morgen wurde ich eine Art Familienvater. Mit einem pubertierenden Kind und zwei Hunden. Ich musste sofort erwachsen werden, was ich aber ganz gut geschafft habe. Und das Gefühl einer Familie möchte ich nie wieder missen.

Was mir manchmal zu schaffen macht, ist die Sprunghaftigkeit der Kinder. Eben noch gut gelaunt. Dann lief irgendeine Sache nicht nach ihrer Nase. Und schon hängt der Haussegen gewaltig schief. Falls ich selber so war, schulde ich meiner Mutter eine Entschuldigung!

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, wonach sich bei Jugendlichen in der Pubertät die Gehirne neu „verkabeln“. Also heißt es bei dem Satz „Du bist nicht mein Vater“ ruhig zu bleiben. Und für mich bedeutet das, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr mich das verletzt. Das ich nicht der Vater bin, weiß ich selber. Ich will es auch nicht sein. Lege keinerlei Wert darauf, so genannt zu werden. Was ich sein will, ist die männliche Bezugsperson, die ich als Scheidungskind nicht hatte. Nicht der Vater sein, aber eine Vaterrolle zu übernehmen. Für den Jungen da zu sein, wenn er mich braucht.

Vielleicht kennen das die Leserinnen ja auch, die eine Patchworkfamilie haben. Natürlich ist es schwer, jemand neues in der Familie zu integrieren. Für das Kind ist es schwer, wenn Mutter einen neuen Freund hat. Ich kann auch nachvollziehen, wenn eine Beziehung daran scheitern würde, wenn das Kind den neuen Freund der Mutter nicht akzeptiert. Das Kind geht vor, keine Frage.

Eben aus dem Grunde bin ich froh, dass bei uns alles mehr oder weniger glatt lief. Die Mutter liebt mich, das Kind auch, die Hunde sowieso. Also heißt es, ab und zu über die Zickereien hinwegzusehen und mich daran zu erinnern, dass ich auch mal in der Pubertät war.