Teile das nicht!

Ja, ich mag euch auch, das muss ich nicht beweisen. Ja, ich liebe Tiere. Nein, ich toleriere keine Gewalt, egal welcher Art. Nein, ich werde auch nicht teilen oder kopieren!

Die ganzen Aufforderungen im Stil wie: „Teile das, wenn…“ „Kopiere das in deinen Status, nicht teilen“ erregen meine Aufmerksamkeit nicht oder eher negativ.

Facebook. Dazu habe ich ja eine Meinung (siehe den Beitrag: Kindheit – Gestern und heute und über den Umgang mit sozialen Medien). Bei manchen Menschen habe ich das Gefühl, diese Mitteilungen sind ihr Lebensinhalt.

Auch nervt es mich, wenn über den Messenger oder WhattsApp nur noch Serienbriefe kommen, die ein Glücksbärchi, einen Marienkäfer… enthalten, die immerwährende positive Gefühle zu mir symbolisieren sollen. Könnt ihr das nur so zeigen?

Meine Freunde, die mich mit Serienbriefen zuballern, mag ich trotzdem, bin aber genervt. Auf die Gefahr hin, dass ich doch mal was Wichtiges verpassen sollte, habe ich die Absender dieser Meldungen blockiert, sofern möglich.

Man kann ihnen sagen, dass sie nerven. Sie bitten, es zu lassen, aber es ändert sich … nichts. Die Statusmitteilungen dieser Art (auf WhattsApp) ignoriere ich schon geflissentlich (ich kenne viele, die fast täglich den Status aktualisieren). 

Ich sehe mich zu dem Schritt gezwungen. Denn: Wenn das Handy piept, weil ein Serienbrief ankommt, will ich nicht vor Schreck in den Graben fahren.

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Homo Digitalis

Während wir auf die U-Bahn warten, die in 15 Minuten kommt, haben wir noch schnell Zeit, etwas für unser digitales Leben zu machen. Smartphone zur Hand, genug Akku? Dann gehts los. Eben hatte ich doch eine geniale Idee für einen Tweet. Die 140 Zeichen machen das Leben auch manchmal schwer. Egal, dann poste ich was bei Facebook, da brauche ich mich ja nicht zurückhalten.

Nicht vergessen nachher beim Mittagessen ein Foto von der Pizza bei Instagram hochzuladen. Hoffentlich sehe ich gut aus, und es bleibt schönes Wetter, kein Regen. Denn ein Foto von mir, regendurchnässt und sturmgeschädigt, will keiner sehen. Die digitale Wahrheit ist geschönt. Nicht, dass jemand meint, es geht ihm besser als mir.

Da kommt eine WhattsApp-Nachricht rein. Verdammt, ich wollte doch eben einen Gedanken für meinen Blog festhalten. Von wem ist die Nachricht? Vom Chef… Naja, der kann warten. Ich komme ja eh‘ gleich ins Büro.

Dreck, ist da gerade die U-Bahn weggefahren? Ich muss sie wohl verpasst haben, war zu sehr mit dem Handy beschäftigt. Dann habe ich ja noch etwas Zeit.

Muss erstmal tweeten, dass ich die U-Bahn verpasst habe… War dem nicht so, dass uns die moderne Technik dazu bringen sollte, unser Zeitmanagement im Griff zu haben? Irgendwie verbringen wir die doppelte Zeit, die wir gewonnen haben, damit, sie wieder zu verschwenden. Aus dem Homo sapiens ist der Homo digitalis geworden, der immer weniger Zeit hat!